Selfies verboten!

Selfies verboten!

#244

 

Selfies sind out. Nicht, weil Shelfies, Belfies oder Relfies* ihnen den Rang ablaufen. Und auch nicht weil wir es an anderer Stelle bereits konstatiert haben. Hier war und ist wohl der Wunsch die Mutter des Gedanken.

Grund ist die wachsende Zahl an prominenten Selfie-Gegnern, die dem Trend-Ende entgegen arbeiten. Allerdings nicht immer mit Erfolg.

 

Promis rebellieren gegen Selfie-Verbot

Bekannteste Gegenerin ist Anna Wintour, Vogue-Chefin und Vorlage für die Romanfigur in „Der Teufel trägt Prada“. So erwirkte sie, munkelt man, ein Selfie-Verbot auf der diesjährigen Met-Gala. Nur wollte sich kaum einer der prominenten Gäste an das Verbot halten.

Auch in Cannes versuchte man die ungeteilte Aufmerksamkeit der angereisten Stars zu erlangen und verhängte ein Selfie-Verbot für die Filmfestspiele. Ob die Veranstalter wirklich geglaubt haben, dass sich alle daran halten würden?

 

Sportliche Ruhezone

Größeren Erfolg haben da Verbote, die im Rahmen von Sportveranstaltungen ausgesprochen werden. So wurde es als amüsant betrachtet, dass bei den Masters ein Mobiltelefon-Verbot verhängt wurde. Fotografieren durfte man dennoch – nur halt eben mit der guten, alten (Digital-)Kamera.

Auch Besucher des Grand-Slam-Turniers, das Ende Juni beginnt, müssen auf ein liebgewonnenes Stück verzichten: Die Mitnahme von Selfie-Sticks ist in Wimbledon nicht erlaubt.

Weitere Selfie-Verbote dürften, unabhängig von welcher Sportart, in Zukunft folgen. Hierzu beigetragen hat ein Teenager, der während der French Open auf den Court rannte, um ein Selfie mit Roger Federer zu schießen. Seinem Idol gefiel diese unnötige Aktion ganz und gar nicht.

 

Das Selfie ist sein eigener Feind

Doch in Wirklichkeit ist der größte Feind des Selfie, das Selfie selbst. War es früher noch ein selbstgeschossenes (!) Selbstporträt (!), das meist spontan (!) entstand, wird das Wort Selfie nun auch anderweitig verwendet. Und hier wird es philosophisch: Ist ein Selfie, das mit einem Selfie-Stick entstand noch ein Selfie? Und wo wäre dann der tatsächliche Unterschied zu einem per Fernauslöser und mit Tripod erstellten Selbstporträt?

Auch das, neuerdings auf Buch gebannte, fotografische Werk von Kim Kardashian West spricht nicht wirklich für das Selfie als kulturelles Erbe. Andererseits gibt es wohl kein besseres Beispiel für moderne Pop-Kultur als ihr Fotobuch Selfish.

 

Es ist, wie es ist

Steve Sasson, der Erfinder der Digitalkamera, nimmt es gelassen, wenn er auf Veranstaltungen für Selfies verantwortlich gemacht wird. So sei das Gesetz der unbeabsichtigten Auswirkungen.

 

 

*Shelfie = Schrank-Fotos; Belfie = Po-Selfie; Relfies = Pärchen-Selfie