Ein Fotograf verklagt Pinterest, eine Studentin wird wegen eines Instagram-Fotos verurteilt und einem Schüler droht Schulverbot wegen Flickr

#246

 

In dieser Ausgabe von „Interessante Rechtsfälle rund um das Thema Fotografie“ stehen unsere Nachbarn jenseits des großen Teichs wieder einmal im Mittelpunkt.

 

Pinterest

Beginnen wir in Seattle, wo Christopher Boffoli mit seinem big appetites studio ansässig ist. Seit langer Zeit ärgert sich der Fotograf über die große Beliebtheit seiner Bilder auf der sozialen Plattform Pinterest. Andere würden sich über die große Popularität (mehr als 5.000-fach geteilt) vielleicht freuen. Oder vielleicht eher nicht, denn abgesehen davon, dass der Fotograf mit „Likes“ keine Miete bezahlen kann, wird er zu allem Überfluss selten als Urheber genannt.

Seit Jahren nun kämpft Christopher Boffoli für seine Urheberrechte, doch seine DMCA-Beschwerden kommen einem Kampf gegen Windmühlen gleich. Nach Google, Imgur und Twitter verklagt er nun Pinterest, da die Firma – seiner Meinung nach – die Urheberrechte von Fotografen zu wenig schützt und gleichzeitig viel Geld verdient. Einen Vergleich schließt Boffoli momentan aus. [1]

 

Instagram

In Montreal kämpfte die Studentin Jennifer Pawluck mit einem ganz anderen Problem. Und dieses begann mit dem Abfotografieren von Stickerkunst und dem hieraus resultierenden Post auf Instagram.

Nein, nicht der Streetart-Künstler hat sich wegen Urheberrechtsverletzung beschwert – was in Zukunft aber auch noch zu erwarten sein dürfte – sondern die Polizei. Das Bild, das einen bekannten Polizeisprecher mit einem Einschussloch in der Stirn zeigt, wurde als Grund für eine Klage wegen krimineller Belästigung betrachtet. Zumal dieses in Verbindung mit dem Hashtag #acab (All Cops Are Bastards) veröffentlicht wurde.

Die Strafe, die Jennifer Pawluck hierfür nun erhielt: 100 Sozialstunden und 18 Monate auf Bewährung. [2]

 

Flickr

Anthony Mazur aus Texas ist noch Schüler an einer High School, verfügt aber bereits über ein Foto-Portfolio von 4.000 Bildern, welche er als Reporter seiner Schülerzeitung erstellt hat. Einige Eltern zahlten Mazur sogar Geld für Fotos, die ihre Kinder zeigten. Ein guter Karriereanfang, für jemanden, der sich in die Fotografie verliebt hat und später vielleicht auch als Fotograf arbeiten will. Man würde denken, dass die Schule stolz auf eine solche Leistung ist.

Nicht aber die Flower Mound High School, dessen Direktor Anthony Mazur eines Tages zu sich berief. Ihm wurde mit Schulverweis gedroht, würde er nicht seine – nach dessen Einschätzung – illegalen Fotos auf Flickr löschen. Zum einen, weil er die Bilder mit dem Equipment der Schule erstellt hatte, zum anderen, weil die Privatsphäre seiner Mitschüler verletzt wurde.

Während letztgenannter Grund teil-berechtigt scheint, ist das harsche Vorgehen der Schule kaum zu verstehen. Das sahen auch viele Internetnutzer so, die sich solidarisch mit dem jungen Fototalent per Hashtag #IAmAnthony zeigten. [3]

 

[1] Photographer Suing Pinterest in Federal Court Over Repeated Copyright Infringement

[2] Woman Found Guilty of Criminal Harassment for Instagramming Street Art

[3] High School Photographer Threatened with Suspension and Federal Investigation for Posting School Photos Online