Ich habe mich bemüht ein Buch zusammenzustellen, das für Berlinbesucher und für Berliner selbst interessant ist

Ich habe mich bemüht ein Buch zusammenzustellen, das für Berlinbesucher und für Berliner selbst interessant ist

Urs SchweitzerAuf Kickstarter & Co. finden sich nicht nur spannende Gadgets für Geeks und Hipster, sondern – meist abseits des Medienhypes – auch  viele künstlerische Projekte, die auf Finanzierungshilfe der Community hoffen. Berlin black & white gehört zu diesen kleineren Kampagnen mit bescheidenem Ziel: Mindestens 3.000 Euro werden benötigt, um den Bildband “Berlin schwarzweiss” des Fotografen Urs Schweitzer in kleiner Auflage zu drucken.

In diesem kurzen Interview spricht Urs Schweitzer über Berlin, die Schwarzweissfotografie und Crowdfunding.

 

Auf dem Cover von „BERLIN schwarzweiss“ ist die Siegessäule zu sehen. Inwiefern ist diese das passende Sinnbild für Berlin?

Die Engelsfigur auf der Siegessäule, im Volksmund „Goldelse“ genannnt ist sicherlich neben dem Brandenburger Tor eines der bekanntesten Motive, das man sofort mit Berlin assoziiert, nicht zuletzt auch durch den Film  „Der Himmel über Berlin“ von Wim Wenders. Das das Bild auf dem Cover gelandet ist, hat natürlich auch den ganz banalen Grund, daß es viel Platz für die Schrift aufweist.

 

Sie sind ja geborener Frankfurter. Welche Stadt hat – aus fotografischer Sicht – mehr zu bieten?

In Frankfurt möge man mir das verzeihen, aber für mich ist Berlin aus fotografischer Sicht die  interessantere Stadt.  Berlin hat die unterschiedlichsten Gesichter, je nachdem in welchem Kiez, ist jung, sehr international und Gott sei Dank auch politisch aufmüpfig und hat eine lebendige Subkultur. Eines meiner Themen und ein Thema das Berlin prägt, ist Street Art (inzwischen umfasst mein Archiv knapp 2600 Bilder zu diesem Thema ), die meisten dieser Motive, so auch die in meinem Buch, existieren nur für relativ kurze Zeit, aber es taucht auch immer wieder Neues auf, so daß es immer wieder etwas zu entdecken gibt und mir Motive zu diesem Thema sicher nicht ausgehen werden.

 

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In der Tat finden sich auf vielen Seiten Abbildungen von bekannten und weniger bekannten Berliner Sehenswürdigkeiten. Spiegelt sich hierin der Blick des Neuzugezogenen quasi „Touristen“ wieder?

In gewisser Weise schon, aber würde ich zum Beispiel Frankfurt oder irgendeine andere Stadt fotografieren, gehören Motive wie der Römerberg, der Main und die Bankentürme einfach zu den typischen Gesichtern der Stadt. Ich habe mich einfach bemüht ein Buch zusammenzustellen, das bekanntes und weniger bekanntes zeigt und dadurch sowohl für Touristen, also Berlinbesucher als auch für Berliner selbst interessant ist.

 

Warum Schwarzweißfotografien von Deutschlands buntester Stadt?

Ebenso könnte man fragen, warum Schwarzweiss überhaupt, wo doch die Welt so schön bunt ist. Schwarzweißfotografie hat eine eigene Bildsprache die ich schon immer mochte. Ich bin aber kein Purist, ich habe schon immer in Farbe und in Schwarzweiss fotografiert, auch in den analogen Zeiten. Das schöne an der digitalen Technik ist, dass man nicht mehr 4, 5 oder mehr Filmmaterialien mit sich schleppen muss. In einer einzigen RAW-Datei sind viele verschiedene Bilder enthalten, in Farbe und in Schwarzweiss, je nachdem, wie man diese Datei entwickelt.

 

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Heutzutage kann jeder per Smartphone-App seine Farbfotos in Schwarz-Weiß umwandeln. Wo liegt der Unterschied zu dem, was Sie machen?

Es ist nicht damit getan, ein Bild einfach nur in Schwarzweiss umzuwandeln, genauso, wie fotografieren mehr ist als auf einen Auslöser zu drücken. Kameras sind Werkzeuge sonst nichts, je besser das Werkzeug, desto besser die technische Qualität. Ein technisch „perfektes“ Foto kann langweilig und nichtssagend sein, ein technisch bescheidenes Foto dagegen sehr gut und würde die technische Qualität stimmen wäre es noch besser. Das wichtigste ist das Auge des Fotografen. Man kann sicher auch mit dem Smartphone gute Bilder machen und das geschieht auch. Ansonsten erhöhen Smartphones und Digitalkameras erstmal die Bilderflut und damit auch den optischen „Müll“.

 

Immer mehr Künstler entdecken Kickstarter & Co. für sich. Wie kamen Sie auf die Idee, ihren Bildband hierüber zu finanzieren?  

Seit ich das erste Mal vor gut 2 Jahren von Crowdfunding gehört habe, hat mich diese Idee nicht mehr losgelassen. Und da Verlage sich einerseits immer weniger trauen, Bücher in immer kürzeren Abständen „verramscht“ werden ( müssen ? ) um Lagerkapazität für die neue Verlagsproduktion frei zu machen und andererseits durch den immer besser gewordenen Digitaldruck auch kleine Auflagen  heutzutage möglich geworden sind, ist dies mein erster Versuch in dieser Richtung, dem hoffentlich weitere folgen. Ideen und Bildmaterial habe ich genug. Print on demand ist zwar auch eine Möglichkeit, aber das Problem damit ist, das der Verkaufspreis der Bücher relativ hoch angesetzt werden muss, will der Künstler auch etwas verdienen. Selbst beim Druck einer recht kleinen Auflage sieht das im Eigenverlag besser aus, der Verkaufspreis kann niedriger sein und der Anteil des Künstlers ist trotzdem höher und die 40% Buchhandelsrabatt sind da schon miteingerechnet.

 

Wäre es vor 20 Jahren schwerer oder einfacher gewesen Gelder für solch künstlerische Projekte aufzutreiben?

Ich denke schwerer, aber damals haben sich die Verlage auch noch mehr getraut und es waren viel weniger als heute die Erbsenzähler, die letztendlich das Sagen haben.

 

Gibt es einen Plan B für den (eher unwahrscheinlichen) Fall, dass die Zielmarke von 3000 Euro nicht erreicht wird?

Den gibt es so im Moment noch nicht, aber die Erfahrungen, die ich jetzt mache sind in Zukunft sicher hilfreich. Ich lasse mich sicher nicht entmutigen.

 

 

Die Kampagane Berlin black & white läuft noch bis zum 21. Juli 2015. Mehr Infos auf ursschweitzer-foto.de

 

 

Fotos: Urs Schweitzer