Daran scheiden sich die Geister: In-Game-Fotografie

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Für die einen ist es Kunst, für die anderen nur ein Screenshot: In-Game-Fotografie. Nicht zuletzt dank Rainer Sigl, der bereits 2012 in „Die Kunst des Screenshots“ über In-Game-Fotografie als Kunstform schrieb, dürfte diese, wie soll man es nennen, Spielerei mit dem Spiel, auch bei deutschen Nicht-Gamern bekannt sein. Der Artikel erschien, man höre und staune, in der ZEIT – wenn auch nur in der Online-Ausgabe.

Vor einigen Wochen kamen ZEIT Online-Leser erneut in den Genuss des gehobenen Screenshots. Die Fotostrecke „Gangster, Gastarbeiter, Gesellschaftskritik“ stellte die Fotografien von Morten Rockford Ravn vor. Mit seinem In-Game-Smartphone – ja, diese kommen immer häufiger vor – machte er sich in der genialen Spielewelt von GTA V auf die Fotopirsch. Die Ergebnisse lassen sich wirklich sehen, obwohl auch hier die Frage ist, wer denn nun der Künstler ist. Derjenige, der den Moment eingefangen hat oder die Programmierer des Spiels?

 

Auf seiner Webseite zeigt Ravn Szenen aus GTA V. (via fearandloathingingtav.tumblr.com
Auf seiner Webseite zeigt Ravn Szenen aus GTA V. (via fearandloathingingtav.tumblr.com)

 

Ravn ist beileibe nicht der bekannteste Künstler der In-Game-Fotografie-Szene. Der König der Szene ist vielleicht Duncan Harris aus England. Seine Bilder, die auf deadendthrills.com zu finden sind, könnte man auch als Hommage an Computerspiele als Kunstform betrachten. Selbst wer sonst keine Spiele spielt, bekommt als Betrachter Lust, in diese Spielewelten abzutauchen.

 

Der König der In-Game-Fotografie ist Duncan Harris. (via deadendthrills.com)
Der König der In-Game-Fotografie ist Duncan Harris. (via deadendthrills.com)

 

Nicht jeder, der In-Game-Fotografie betreibt, kommt – wie der Videospieljournalist Harris – aus der Gaming-Szene, obwohl hier wohl das Gros zu finden ist. So stellte der Fotograf John Paul Britchard 2004 die Serie „The White Room“ vor. Seine Drucke zeigten Auszüge aus dem Videospiel Max Payne 2.

 

Hat Britchard als Vollzeit-Künstler eher das Recht, sein Werk als Kunst zu verkaufen?

Dass man auch mit wenig Eigenleistung zu einem der gefragtesten Fotografen werden kann, beweist Richard Prince seit Jahren mit seinen Bildern. Auch an ihm scheiden sich die Geister. Über Kunst lässt sich streiten, oder eben nicht.

 

Wer sich für das Thema In-Game-Fotografie interessiert, sollte auf jeden Fall auf der Seite Videogametourism vorbeischauen. Die Autoren, zu denen Rainer Sigl gehört, liefern erstklassige Beiträge hierüber (aber nicht nur).

 

Linktipps:

Fear and Loathing in GTA V – Fotoserie von Morten Rockford Ravn

The Man Behind The World’s Best Video Game Screenshots