“Wenn ich fotografiere, höre ich sehr oft Musik zur Inspiration”

“Wenn ich fotografiere, höre ich sehr oft Musik zur Inspiration”

668x501-fit.376x501.jpegWer sich für Schwarzweißfotografie, Street Photography oder New York interessiert, dürfte das Fotoprojekt “New York in 40 Days” von Thomas Biasotto aus Weggis (Schweiz) spannend finden. Über die Crowdfunding-Plattform WeMakeIt sucht der Pädagoge, Musiker und Fotograf gerade nach Unterstützern, die eine Veröffentlichung in Buchform ermöglichen. In unserem Interview spricht er über sein Projekt, seine Leica und wieviele Kilometer er in den 40 Tagen gelaufen ist.

 

Trompete, Lehre oder Fotografie – für was davon schlägt dein Herz am höchsten?

Meine drei Tätigkeitsbereiche haben alle ihre Herausforderungen und lassen sich sehr gut kombinieren. Wenn ich Musik komponiere, hole ich mir oft Eindrücke aus der Natur oder Städte, wo ich fotografierte; wenn ich fotografiere, höre ich sehr oft Musik zur Inspiration. Ein konkretes Beispiel: In New York, als ich im Central Park North gearbeitet habe, hörte ich mir stundenweise die Platte “Central Park North” von Thad Jones an und fotografierte zu der Musik.

Wenn ich als Lehrer arbeite, kann ich den Kindern mit Musik und natürlich auch mit meinen Bildern, sei es im Schulzimmer, als Karten etc. große Freude bereiten. Oder auch, z.B. im Bildnerischen Gestalten, mit Fotos, die ich in Städten oder Natur geschossen habe, arbeiten in Verbindungen mit Malen oder Kleben.

So kann ich sagen, dass bei all meinen drei Tätigkeiten, das Herz immer hoch schlägt.

 

Sprechen wir über dein Projekt. Auf der, im Vergleich zu Kickstarter und Indiegogo, eher unbekannteren Plattform wemakeit suchst du gerade nach Unterstützern für dein geplantes Fotobuch “New York in 40 Days”. Erzähl uns doch ein bisschen über die Hintergründe.

Zur Zeit studiere ich an der Pädagogischen Hochschule in Zug. Jeder Student der Hochschule, muss sich während der Studienzeit 10 Wochen in einem englischsprachigen Land aufhalten. Die Auswahl des Ortes bleibt bei den Studenten. Für mich, als begeisterter Fotograf und Musiker, war schnell klar, New York ist die Stadt, die ich besuchen will. Sie bietet in Sachen Musik und natürlich Fotografie so viel, quasi ein Traum. Da ich jeweils von Montag bis Freitag halbtags die Uni besuchte, nutzte ich die Abende und die Nachmittage, sowie natürlich die Wochenenden, New York und dessen Menschen auf meine Art und Weise abzulichten. Entstanden ist eine große Sammlung an Bildern, welche ich in meinem ersten Fotowerk präsentieren möchte, was ein großer Traum von mir ist.

 

Wieso 40 Tage?

Mir gefällt die Zahl und ich hatte so genügend Zeit mich vorzubereiten.

 

 

Das kleine Werbevideo hast du ja ebenfalls in New York gedreht. Hierbei ist mir deine Kamera aufgefallen. Mit welcher Kamera fotografierst du bevorzugt?

Ein großer Kindestraum, meine Kamera. Ich arbeite hauptsächlich auf der Street mit der Leica Monochrome M246 und einem Leica Noctilux 1:0.95 50mm. Für Nacht- und Farbaufnahmen ebenfalls mit einer Leica, und zwar der M240 mit einem Summicron 1:2.0 50mm und Summicron 1:2.0 90mm.

 

Wenn man an New York – vor allem Manhattan – denkt, denkt man wohl automatisch an Street Photography. Was macht den Ort so interessant für dieses Genre?

Ich denke es ist die Größe der Stadt. Über 8 Millionen Menschen auf so „engem“ Raum bietet natürlich ganz tolle Motive. Jeder Tag – andere Gesichter, viele unterschiedliche Kulturen und nicht zuletzt die tollen Parks.

 

Wie schwierig ist es für dich, auf Fremde zuzugehen, um sie zu fotografieren?

Als ich mit der Streetfotografie begonnen habe, waren grosse Hemmungen da. Da ich hauptsächlich mit Festbrennweiten arbeite (bevorzugt 50mm), muss ich natürlich die Menschen aus der Nähe ablichten. Nun, nach vielen Jahren Erfahrung, hatte ich in New York absolut keine Hemmungen. Wenn ich Straßenmusiker fotografierte, spendete ich immer zwischen 2 und 5 Dollar und fragte, ob ich ein Bild machen dürfe. Ebenfalls auch bei der Reihe mit den Homeless-People, die ich aus Respekt gegenüber der Person ohne Gesichter fotografierte. Es entstanden viele spannende und tiefgründige Gespräche. Schlussendlich spendete ich mein Geld und lebte sehr zurückhaltend. Aber ich war glücklich und reich erfüllt mit vielen tollen Begegnungen.

 

Besonders in Europa schlug die Debatte über die mögliche Einschränkung der Panoramafreiheit zuletzt hohe Wellen. Zudem führt die Fotoflut auf sozialen Netzwerken teilweise dazu, dass Menschen bezüglich ihrer eigenen Bildrechte immer vorsichtiger werden. Stößt du beim Fotografieren oft auf Gegenwehr?

In New York erlebte ich es einmal, dass ein Familienvater sehr aggressiv wurde, weil ich sein Kind fotografierte, wie es von einem Artisten einen Ballon geschenkt bekommen hatte. Ich löschte das Bild vor seinen Augen, da ich ein Mensch bin, der die Harmonie bevorzugt und keine Streitigkeiten sucht. Ansonsten hat man als Streetfotograf so seine Tricks, die man anwendet. Bildrechte sind in Amerika so geregelt, dass alles, was auf öffentlichen Plätzen fotografiert wird, veröffentlicht werden darf. Die Rechte der Bilder liegen immer beim Küstler und abgelichtete Personen haben in den USA keine Bildrechte, WENN das Foto auf öffentlichen Plätzen geschossen wurde. Ausnahmen sind Unfälle oder leidende Personen auf Straßen.

 

Zurück zu deinen Fotos. Welches Bild von den über 14.000 Fotos gefällt dir besonders gut?

Es gibt viele Fotos, die mir besonders gut gefallen. Und genau diese sind in meinem Buch zu finden. Aber ein Bild, das ich liebe, ist “der Zugführer“. Wer New York kennt, weiß, dass die Subways einen engen und raschen Rhythmus betreiben. Einmal habe ich einen Zugführer mit der Kamera erwischt. Dieses Bild gehört zu meinen absoluten Favoriten.

 

Und welches der Motiv hat den größten Aufwand gefordert?

Jedes Bild erfordert einen hohen Aufwand. Wer die Leica-Fotografie kennt, weiß, dass hier jedes Foto „Handwerk“ ist. Kein Autofokus, keine automatischen Belichtungszeiten, etc. Alles muss mit Erfahrung eingestellt werden und so kann es sein, dass für das eine oder andere Bild mehr Zeit in Anspruch genommen werden muss. Der größte Aufwand war sicherlich auch die Recherche, wo es tolle Plätze gibt und wie man dahin kommt. In diesen 40 Tagen lief ich im Schnitt 25 Kilometer pro Tag, was auf die 40 Tage verteilt etwas über 1000 Kilometer ergab.

 

Jetzt, wo dein New York-Fotoprojekt quasi auf den erfolgreichen Abschluss “hofft”, planst du bereits dein nächstes Fotoprojekt?

Ja. Es sind Ideen und zum Teil auch bereits Projekt-Vorbereitungsarbeiten am Laufen. Ich möchte das Thema „40 Tage …” weiterführen, nächsten Sommer in London. „London in 40 Days“. Ebenfalls sind zwei kleinere Projekte in der Schweiz geplant, welche in Zusammenarbeit mit Firmen stattfinden, die ich aber noch nicht verraten darf. Alle Informationen zu den Projekten sind auf meiner Homepage www.fototom.ch zu sehen.

Ich bedanke mich ganz herzlich für das Interview und es würde mich sehr freuen, wenn ihr meine Crowdfounding-Aktion unterstützen würdet. Weihnachten naht und das wäre doch ein schönes Weihnachtsgeschenk. Hier der direkte Link: https://wemakeit.com/projects/new-york-in-40-days

Liebe Grüsse an alle Blogverfolger und bis bald! Wer weiß, vielleicht sieht man sich mal auf der Straße.